einfach - besser - fair

Zustimmungswahl ist ein Wahlsystem bei dem sie für alle Vorschläge oder Kandidaten stimmen denen sie Zustimmen.

Zustimmungswahl ist einfach.
Stimmen sie für alle Vorschläge die sie gut finden.

Zustimmungswahl ist besser.
Führt zu weitaus besseren Ergebnissen, denn es gewinnt der Vorschlag, welcher von den meisten gemocht werden, statt einer polarisierenden Minderheit.

Zustimmungswahl ist fair.
Kandidaten und Vorschläge stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Wähler können ehrlich ihre Meinung ausdrücken ohne zur Strategie gezwungen zu sein. Keine Stimme ist verschwendet.

Warum ein anderes Wahlsystem?

Für die meisten Leute heißt “Abstimmung”, dass es einen Vorschlag gibt den man entweder zustimmen oder ablehnen kann. Eine “Wahl” sei ebenso, wenn man von mehreren Kandidaten nur einen auswählt.

So selbstverständlich und natürlich wie das scheint ist es aber voller versteckter Probleme. So gibt es immer nur einen Vorschlag, oder man kann nur einen Kandidaten wählen. Bei der Abstimmung fehlen die Alternativen. Bei der Wahl entsteht Konkurrenz auch unter Gleichgesinnten.

Haben Sie sich je gefragt, warum wir hier unsere Wahlmöglichkeiten selbst beschränken? Was wenn wir statt über nur einen Vorschlag über mehrere Alternativen gleichzeitig abstimmen? Bei einer Wahl für alle Kandidaten stimmen die wir gut finden?

Dieses Verfahren heißt “Zustimmungswahl” (Englisch: approval voting) oder auch “Wahl durch Zustimmung”. Das heißt: Kreuzen sie alle Vorschläge an denen sie Zustimmen. Der mit der meisten Zustimmung gewinnt.

Wir nutzen es im Alltag ständig. Wenn mehrere Freunde sich treffen wollen fragen sie “An welchen Tagen kannst du?” und treffen sich dann wenn die meisten Zeit haben. Sie beschränken sich nicht dadurch, dass jeder nur genau einen Termin nennen darf.

Obwohl, oder weil, dieses Prinzip so simpel ist wird es erst seit den 1970ern wissenschaftlich erforscht. Es hat sich gezeigt, dass es der klassischen Wahl (“relative Mehrheitswahl”) in allen Aspekten überlegen ist. Es liefert weitaus bessere Ergebnisse und erlaubt den Wählern ihre Meinung zu allen Kandidaten und Vorschlägen auszudrücken, statt nur zu einem. Es lässt mehrere Optionen zu, ohne dass diese in Konkurrenz zueinander treten.

Stellen Sie sich vor solch ein Verfahren würde überall anstelle des alten verwendet. Vom Verein bis in den Bundestag und der EU. Es würde die politische Kultur völlig transformieren. Weg von Konkurrenz hin zu Kooperation. Der Wille der Wähler wäre viel deutlicher und stärker. Es würde nicht mehr bloß durchregiert und nichts wäre alternativlos. Weil immer noch weitere Optionen erlaubt sind, wird diskutiert und gemeinsam nach der besten Lösung gesucht.

Grundprinzipien

Aus dem politischen Alltag kennen wir die relative Mehrheitswahl (z.B. die Erststimme bei der Bundestagswahl) und die Mehrheitswahl mit Stichwahl (z.B. für Bürgermeister). Bei beiden sind wir auf eine Auswahl beschränkt. Bei Abstimmungen haben wir noch weniger Auswahl - es gibt nur eine Frage und wir können dafür oder dagegen Stimmen. All das wäre auch als Zustimmungswahl möglich. Wir müssen nur die Regel streichen, dass nur für einen Kandidaten gestimmt werden darf. Bei Abstimmungen lassen wir zusätzlich mehrere Vorschläge zu.

Die Zustimmungswahl ist einfach. Sie funktioniert genau wie die relative Mehrheitswahl, mit den kleinen aber bedeutenden Unterschied, dass beliebig viele Optionen angekreuzt werden dürfen. Das ist als würde man zu jeden Vorschlag Ja oder Nein stimmen. Der Vorschlag mit den meisten Ja-Stimmen gewinnt dann.

Auch wenn über nur einen Vorschlag abgestimmt wird gibt sollte es immer mindestens drei Optionen geben:

  1. Für den Vorschlag (“ja”)
  2. für den Status quo (“nein”)
  3. für mehr Optionen.

Erhällt die dritte Option die meisten Stimmen, dann ist klar, dass sich die meisten zwar einig sind, dass die momentane Situation geändert werden muss, also ein Problem besteht, gleichzeitig aber die angebotene Lösung noch nicht gut genug ist. Die Abstimmung wird also vertagt und dann mit neuen Lösungsansätzen wiederholt.

Oft taucht die Frage auf, ob man damit nicht mehr Stimmen haben kann als jemand der weniger Optionen wählt. Im Prinzip vergeben sie aber nicht mehrere Stimmen, sondern zeigen zu jeder Option entweder ihre Zustimmung oder Ablehnung. Sofern nur Option oder Person gewählt wird und Sie jede nur einmal wählen können, taucht ihre Stimme im Ergebnis auch nur einmal auf. Würden Sie alle Optionen wählen, hätten sie dadurch nicht mehr Stimmen. Sie hätten einen Wahlzettel der ebenso aussagekräftig ist wie eine Wahlenthaltung.

Wenn mehrere Personen gewählt würden, würde der Einwand zutreffen. Das wäre das Prinzip der Blockwahl und damit ein Grund warum wir die Blockwahl als undemokratisch ablehnen. Die proportionale Variante der Zustimmungswahl hat daher Vorkehrungen, welche das Stimmgewicht ausgleichen und eine faire Wahl sicherstellen.

Mit Handzeichen abstimmen

Sie können die Zustimmungswahl ganz einfach selbst in Versammlungen anwenden.

Alle Vorschläge werden der Reihe nach genannt und zu jeden können alle die Hand heben. Der Vorschlag mit den meisten Händen gewinnt. Sie müssen nichteinmal drauf achten ob jemand mehrfach abstimmt - genau das ist ja der Sinn dabei. Sie könnten sogar erlauben sich mit beiden Händen zu melden - eine Hand wäre dann nur halbe Zustimmung. Am Ende kommt dann noch die Kontrollfrage “Wer ist mit keinen Vorschlag zufrieden?”.

Vorteile

Die Zustimmungswahl ist das einfachste Wahlverfahren, dass es gibt. Wahlforscher sind sich zudem einig, dass die Zustimmungswahl auch eines der besten Wahlverfahren ist. Besonders wichtig aber auch ist, dass es keine unnötige Konkurrenz erzeugt. Ohne Probleme sind mehrere Optionen zur Abstimmung ermöglicht. Es ist also einfach, besser und fair.

Kein Spoilereffekt

Ein grundlegendes Problem bei der relativen Mehrheitswahl und auch der Stichwahl ist der Spoilereffekt. Wenn zwei ähnliche Kandidaten antreten nehmen sie sich gegenseitig die Stimmen weg. Wenn zum Beispiel bei einer Wahl zwischen einem blauen und einem roten Kandidaten der rote mit 60% gewinnt, ist das Ergebnis klar. Lässt sich aber ein zweiter roter Kandidat aufstellten, dann sind die roten Wähler gezwungen sich für einen von zwei Kandidaten zu entscheiden. Die Stimmen teilen sich auf und schließlich gewinnt der blaue Kandidat mit einer Minderheit, selbst wenn es mehr rote Wähler gibt.

Bei der Bundestagswahl 2017 schafften es gerade mal 13 der “Gewinner” in den 299 Wahlkreisen über 50% der Stimmen. Also nur circa 4%.

Dieser Spoilereffekt (englisch to spoil “verderben”) führt dazu, dass sich nur wenige Kandidaten aufstellen lassen. Pro Partei nur ein Kandidat und meist treten auch nur die größten Parteien an. Das reduziert die Wahlmöglichkeiten für die Wähler. Im Extremfall USA für das sogar zu einem Zweiparteiensystem.

Die Wähler erfahren das von der anderen Seite. Wählen sie ihren persönlichen Favoriten, welcher vielleicht wenig Chancen hat, schmeißen sie ihre Stimme weg. Sie sehen sich also gezwungen einen der beiden bekanntesten Kandidaten zu wählen, also das kleinere von zwei Übeln.

Wenn die Wähler aber beliebig viele Kandidaten wählen dürfen, dann löst sich das Problem in Luft auf. Im Beispiel würden so beide rote Kandidaten etwa 60% Zustimmung bekommen.

In der Zustimmungswahl kann es also vorkommen, dass mehrere Kandidaten die Zustimmung von mehr als der Mehrheit erhalten. Es gewinnt nicht mehr die größte Minderheit, sondern die größte Mehrheit.

Kooperation von Ideen und Kandidaten

Wenn man nur ein Kreuz machen darf, ob bei Abstimmungen, Personen- oder Parteiwahlen, führt das zu Konkurrenz zwischen den Vorschlägen, Kandidaten und Parteien. Die Wählerstimmen sind dann wie eine begrenzte Ressource. Es entsteht ein künstlicher Mangel und damit künstliche Konkurrenz. Anstatt gemeinsam nach der besten Lösung für ein Problem zu suchen konkurrieren auch gleichgesinnte Kandidaten und Parteien untereinander. Sie versuchen sich Stimmen abzujagen, den Gegner schlecht zu reden. Kandidaten der Mitte werden verdrängt und gewinnen tun jene die es verstehen zu polarisieren.
Auf Dauer vergiftet das die Diskussionskultur und führt zu politischen Stillstand.

Der simple Trick der Zustimmungswahl löst dieses Problem bei der Wurzel auf. Die Wähler sind in ihrer Wahl nicht begrenzt. Dadurch konkurrieren die Kandidaten auch nicht um Stimmen, sondern um Zustimmung. Es reicht auch nicht mehr nur die größte Minderheit zu sein, oder knapp die Mehrheit - denn es kann immer noch jemanden geben der mehr Zustimmung hat. Der Wahlkampf zielt somit auf möglichst die ganze Bevölkerung. Wer andere schlecht macht schadet damit nur sich selbst.

Mehr Auswahl

Wenn Kandidaten nicht mehr dem harten Konkurrenzkampf um Wählerstimmen unterliegen ändert sich auch die Auswahl an Kandidaten. Nun können sich auch mehrere ähnlich gesinnte Kandidaten aufstellen lassen ohne einander die Stimmen wegzunehmen.

Für die Wähler bietet sich somit viel mehr Auswahl.

Keine polarisierenden Abstimmungen

Bei Abstimmungen wird durch die Zustimmungswahl erst möglich, dass mehrere Optionen gleichzeitig verglichen werden können. Wo sonst auf eine Frage nur mit ja oder nein gestimmt werden kann, stehen sich zwangsläufig die Lager der Befürworter und Gegner unversöhnlich gegenüber.

Stehen aber mehrere Vorschläge gleichwertig zur Auswahl, gibt es keine klaren Lager mehr. Man kann die eigenen Ideen und ebenso die der anderen gut finden.

Mehr Ausdrucksmöglichkeit

Die Wähler haben in mehrerer Hinsicht viel mehr Möglichkeiten ihren Willen differenziert auszudrücken. Sie sind davon befreit das kleinere von zwei Übeln zu wählen, könne ihre Meinung zu jedem Vorschlag ausdrücken und es gibt weitaus mehr Optionen zur Auswahl.

Ein besseres Ergebnis

Wahlergebnis ist besser wenn mehr Wähler damit zufrieden sind. Wenn Sie mal überlegen wie oft Sie mit Wahlergebnissen unzufrieden sind werden Sie merken, wie schlecht unsere momentanen Wahlsysteme sind.

Diese Unterschiede festzustellen und zu quantifizieren ist einer der großen Bereich in der Forschung zu Wahlverfahren.

Einerseits kann man untersuchen, welcher Kandidat jeden anderen in einer 1 zu 1 Stichwahl besiegen würde. Gibt es so einen Kandidaten wäre dieser eindeutig der beste und sollte möglichst gewinnen. Wir können also prüfen ob Wahlverfahren diesen Kandidaten zum Sieg verhelfen. Die Zustimmungswahl schafft das in nahezu allen Fällen.

Eine andere Methode ist anzunehmen, dass alle Wähler für jeden Kandidaten einen gedachten Zufriedenheitswert haben. Ähnlich einer kontinuierlichen Skala 0 bis 1. Dann wird ermittelt wie zufrieden die Wähler mit den Gewinnern sind.
Simulationen zeigen, dass die relative Mehrheitswahl die schlechteste untersuchte Methode ist. Die Zustimmungswahl jedoch unter den Besten liegt.

Ein besseres Ergebnis ist aber auch eines das die Informationen - den niedergeschriebenen Willen der Wähler - besser nutzt. Das heißt einerseits möglichst wenig Informationen wegschmeißt, und diese auch richtig auswertet. Bei Verfahren die schlecht darin sind (eben jene die wir zur Zeit verwenden) kommt es häufig zu “Überraschungen” wenn die Ergebnisse verkündet werden - die meisten Wähler bekommen nicht das was sie gewählt haben.

In beiderlei Hinsicht ist die Zustimmungswahl der relativen Mehrheitswahl, sowie der Mehrheitswahl mit Stichwahl weit überlegen.